Livewetten in der Schweiz: Regeln, Anbieter und was eine Wette während des Spiels tatsächlich bedeutet
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Eine Livewette gewinnt oder verliert in Sekunden. Das Tempo ist der Reiz und das Risiko zugleich: Wer während eines Spiels setzt, sieht die Quote sich mit jedem Eckball, jeder Roten Karte, jedem Ausgleich neu berechnen, und der Wettende sitzt davor und entscheidet, ob er steigt oder bleibt. In der Schweiz ist diese Form des Wettens erlaubt, aber eng umzäunt – nur zwei Veranstalter haben die Bewilligung, und die Liste der erlaubten Sportarten, Wettbewerbe und Wettarten ist geschlossen.
Stand: Oktober 19, 2026 · geprüft gegen die Daten der Gespa (Interkantonale Geldspielaufsicht, Bern) und gegen die Spielregeln und Teilnahmebedingungen der beiden Veranstalter.
Wie sich Livewetten von Prematch-Wetten unterscheiden
Eine Livewette wird nach dem offiziellen Beginn eines Ereignisses platziert, eine Prematch-Wette davor. Rein technisch trennen die beiden nur Sekunden, aber praktisch liegen Welten dazwischen.

Drei Punkte machen den Unterschied aus:
- Die Quote reagiert auf den Spielverlauf. Jedes Tor, jede Verletzung, jede Wettereignispause verschiebt das Wahrscheinlichkeitsverhältnis – und damit den Preis, den die Wettenden für jede Seite zahlen. Eine Mannschaft, die in Führung geht, sieht ihre Siegquote fallen, die Quote für das andere Team steigt.
- Die Annahmeregeln sind strenger. Swisslos wertet Wetten, die nach dem tatsächlichen Eintreffen des Wettausgangs platziert werden, mit der Quote 1.00. In spielentscheidenden Situationen wie Elfmeter, Rote Karte oder Schiedsrichterentscheid kann die Wette ebenfalls zur Quote 1.00 gewertet werden, falls die Spielsituation das Ergebnis bereits vorwegnimmt.
- Die Zeit zum Reagieren ist kurz. Eine Cash-Out-Option erlaubt das vorzeitige Aussteigen, das typische Zeitfenster für eine Reaktion auf eine Spielszene bemisst sich aber oft in Sekunden, nicht in Minuten.
Daraus folgt: Eine Livewette ist kein sichererer Weg zum Gewinn, sondern ein schnellerer Weg zum Verlust, wenn der Wettende die Quotenbewegung nicht versteht. Was eine Livewette gewinnt, ist die Fähigkeit, auf Informationen zu reagieren, die vor dem Spiel nicht vorlagen – die aktuelle Form eines Schlüsselspielers, das Spielsystem nach der Halbzeit, das Wetter. Was sie kostet, ist die Marge, die der Veranstalter in jeder dieser sich schnell ändernden Quoten mitverdient.
Was die Quote während eines Spiels bewegt
Die Quote spiegelt die geschätzte Wahrscheinlichkeit, dass ein Ergebnis eintritt. Bei einer Livewette wird diese Schätzung laufend nachgeführt. Vier Auslöser führen in den meisten Sportarten zu den grössten Quotensprüngen:

- Tore und unmittelbarer Spielstand. Ein 1:0 verändert die Siegwahrscheinlichkeit sofort und sichtbar.
- Personelle Wechsel. Eine Verletzung eines Torhüters oder der Platzverweis eines Abwehrchefs wirkt anders als ein gewöhnlicher Wechsel.
- Spielphasenwechsel. Die Halbzeit bringt oft eine grössere Quotenverschiebung als einzelne Szenen, weil die Systeme neu justiert werden.
- Marktbreite und verbleibende Zeit. Je weniger Zeit bleibt und je knapper das Ergebnis ist, desto stärker bewegen sich die Quoten für oder gegen den Ausgleich.
Das ist Mechanik, keine Magie. Wer die Quote als faire Einschätzung liest, akzeptiert, dass der Veranstalter in jedem Preis eine Marge eingepreist hat – den Quotenschlüssel, also jenen Anteil der Einsätze, den der Markt über alle möglichen Ausgänge hinweg zurückzahlt. Was übrig bleibt, ist die Marge des Veranstalters.
Der Schlüssel ist die Frage, ob der Wettende echte Information besitzt, die der Markt noch nicht eingepreist hat. Wer nur den Spielstand kennt und die Quote sieht, hat keine. Wer eine bestimmte taktische Verschiebung beobachtet, die noch nicht zu einem Tor geführt hat, hat möglicherweise eine – vorausgesetzt, die Quotenbewegung wird nicht in den nächsten Sekunden nachziehen.
Die Annahmeregeln: Wette nach dem Tor
Die wichtigste Regel für Livewetten in der Schweiz steht in den Spielregeln der bewilligten Veranstalter. Sie lautet: Was nach dem tatsächlichen Eintreffen des Wettausgangs gewettet wird, zählt mit Quote 1.00.
Das bedeutet praktisch:
- Wer auf «nächstes Tor Heimmannschaft» tippt und die Wette zwei Sekunden nach dem Heimmannschaftstor absendet, hat den Ausgang bereits gekannt. Die Wette wird mit Quote 1.00 gewertet – der Einsatz wird zurückerstattet, ein Gewinn entsteht nicht.
- Swisslos behält sich vor, auch in spielentscheidenden Situationen (Elfmeter, Rote Karte, Videoschiedsrichter-Entscheid) Wetten mit Quote 1.00 zu werten, wenn die Spielsituation das Ergebnis vorwegnimmt.
Diese Regel ist keine Schikane. Sie ist die einzige Möglichkeit, einen Markt zu betreiben, in dem Sekunden über das Eintreten entscheiden. Sie schützt den Veranstalter vor Wettenden, die auf Ereignisse setzen, die bereits passiert sind, und sie schützt die anderen Wettenden, die nicht gegen Insider spielen wollen.
Cash-Out: Die vorzeitige Abrechnung
Cash-Out heisst, eine laufende Wette vor dem Ende des Ereignisses abrechnen zu lassen. Sporttip bietet Cash-Out für Einzel-, Kombinations- und Langzeitwetten an, vor Spielbeginn und live, aber nur online und nur als vollständiges Cash-Out – eine Teilauszahlung gibt es nicht. Ein ausgeführtes Cash-Out lässt sich nicht rückgängig machen, und Swisslos garantiert Cash-Out nicht für jeden Markt.
Der Cash-Out-Betrag liegt tiefer als der mögliche Gewinn, falls die Wette bis zum Ende durchläuft. Wie tief, hängt vom Stand des Sportereignisses ab: Steht der Tipp gut, ist der Cash-Out-Betrag näher am Gewinn; steht er schlecht, liegt er näher am Einsatz. Swisslos kann den Betrag jederzeit anpassen, und niemand weiss im Voraus, wann die Funktion verfügbar ist und wann nicht.
Für den Wettenden ist Cash-Out keine Wettstrategie, sondern ein Werkzeug. Es beantwortet die Frage, ob das Risiko des Wartens den möglichen Gewinn überwiegt – und der Preis dafür ist die Differenz zwischen Cash-Out-Betrag und Endgewinn, die der Veranstalter für die vorzeitige Abrechnung einbehält.
Wie eine Beispielwette von CHF 10 zu bewerten ist
Ein einfaches Beispiel zeigt, was eine Livewette rechnerisch leistet. Eine Einzelwette von CHF 10 zur Quote 2.50, die gewinnt, zahlt CHF 10 × 2.50 = CHF 25 zurück. Davon sind CHF 10 der Einsatz und CHF 15 der Nettogewinn. Der Bruttobetrag auf dem Wettkonto steigt um 25 Franken, nicht um 250 Franken, wer an die Quotenangabe in einem Werbeversprechen denkt.
Das gilt in beide Richtungen: Verliert die Wette, ist der Einsatz weg, und zwar vollständig. Bei einer Livewette kommt hinzu, dass sich die Quote noch während das Spiel läuft ändert. Wer die Wette bei Quote 2.50 platziert und das Spiel kippt, hat immer noch die Quote 2.50 – aber der Ausgang, auf den gewettet wurde, tritt nicht ein.
Eine Quote von 2.50 heisst: Der Veranstalter schätzt die Wahrscheinlichkeit auf 40 %, korrigiert um die Marge, die er eingepreist hat. Wer bei dieser Quote dauerhaft setzt, gewinnt vier von zehn Wetten – aber die Auszahlung jeder gewonnenen Wette beträgt 2.50 × den Einsatz, nicht das Fünffache des Einsatzes. Über eine grosse Zahl von Wetten bleibt der Veranstalter im Plus, und zwar genau um die Marge, die in den Quoten steckt.
Wetten ist eine Frage der Wahrscheinlichkeit, nicht der Quote. Eine hohe Quote heisst nicht «guter Tipp», sondern «der Veranstalter hält das Ergebnis für weniger wahrscheinlich». Der Gewinn ergibt sich daraus, dass der Wettende das Ergebnis häufiger richtig vorhersagt, als die Quote es vorspiegelt.
Welche Veranstalter in der Schweiz bewilligt sind
Das Geldspielgesetz (BGS, SR 935.51) begrenzt die Zahl der Veranstalter für Sportwetten auf zwei: Swisslos mit dem Produkt Sporttip und Loterie Romande mit dem Produkt Jouez Sport. Mehr gibt es nicht, eine Liste weiterer bewilligter Buchmacher existiert in der Schweiz nicht.
- Swisslos Sporttip – Veranstalterin SWISSLOS Interkantonale Landeslotterie Genossenschaft, Sitz Basel; Spielgebiet sind die deutschsprachigen Kantone AG, AI, AR, BE, BL, BS, GL, GR, LU, NW, OW, SG, SH, SO, SZ, TG, UR, ZG und ZH, der Kanton Tessin sowie das Fürstentum Liechtenstein.
- Loterie Romande Jouez Sport – Veranstalterin Société de la Loterie de la Suisse Romande, Sitz Lausanne; Spielgebiet sind die sechs Westschweizer Kantone Freiburg, Waadt, Wallis, Neuenburg, Genf und Jura.
Eine Online-Registrierung ist nur möglich, wenn man im jeweiligen Spielgebiet wohnt. Ein Spielender aus dem Kanton Genf kann nicht bei Swisslos spielen, ein Spielender aus dem Kanton Zürich nicht bei Loterie Romande. Das ist die föderale Logik des Geldspielkonzessionsrechts: Jede Veranstalterin bedient ihre Region, ein nationaler Online-Markt existiert nicht.
Vergleich der beiden Schweizer Veranstalter
Die Übersicht zeigt, was jeder der beiden bewilligten Veranstalter an Livewetten leistet und wo die Angebote sich unterscheiden.
| Anbieter | Bewilligung in der Schweiz | Veranstalter / Marke | Livewetten |
|---|---|---|---|
| Swisslos Sporttip | Veranstalter- und Spielbewilligung nach BGS (Gespa) | SWISSLOS Interkantonale Landeslotterie Genossenschaft, Basel | Online: ja · Verkaufsstelle: Prematch, einzelne Wetten per QR-Code aus der App spielbar |
| Loterie Romande Jouez Sport | Veranstalter- und Spielbewilligung nach BGS (Gespa) | Société de la Loterie de la Suisse Romande, Lausanne | Online: ja · Verkaufsstelle: nur Prematch |
Die Tabelle trägt in einer Spalte zusammen, was die Spielregeln der beiden Veranstalter zur Verkaufsstelle und zur Online-Plattform sagen. Wichtig ist die Zeile für Livewetten: Bei Swisslos sind sie ausschliesslich online verfügbar, einzelne Wetten aus der App lassen sich aber per QR-Code an einer Verkaufsstelle spielen. Bei Loterie Romande sind an den rund 2’350 Verkaufsstellen in der Westschweiz ausschliesslich Prematch-Wetten erhältlich; wer live wetten will, nutzt die Internet-Spielplattform.
Die Spalte zur Bewilligung ist nicht redundant, sondern rechtlich der entscheidende Punkt. Eine ausländische Lizenz aus Malta, Curaçao oder Deutschland hat in der Schweiz keine Kraft (Art. 4 BGS). Wer bei einem Veranstalter ohne Schweizer Bewilligung spielt, hat keinen Zugang zum Schweizer Spielsperrenregister und keine Schweizer Anlaufstelle bei Streit; sein Gewinn unterliegt zudem der kantonal unterschiedlichen Besteuerung ausländischer Gewinne.
Die ausländischen Marken im Überblick
Die acht ausländischen Anbieter unten werden in der Schweiz beworben und sind deshalb nicht unbekannt. Keiner von ihnen verfügt über eine Schweizer Bewilligung; ihre Lizenzen aus Malta, Curaçao oder anderswo haben in der Schweiz keine Rechtskraft (Art. 4 BGS). Wer bei einem dieser Anbieter spielt, hat keinen Zugang zum Schweizer Spielsperrenregister, keine Schweizer Anlaufstelle bei Streit und keinen Anspruch auf Einhaltung der Schweizer Spielregeln. Die Gespa führt eine Sperrliste von Domain-Namen, die Schweizer Telekommunikationsanbieter via DNS blockieren; diese Liste wird regelmässig ergänzt, und blockierte Domains tauchen unter neuen Namen wieder auf.
- Sportuna – ohne Schweizer Bewilligung.
- PowBet – ohne Schweizer Bewilligung.
- 1Bet – ohne Schweizer Bewilligung.
- BillyBets – ohne Schweizer Bewilligung.
- GG.BET – ohne Schweizer Bewilligung.
- Betclic – ohne Schweizer Bewilligung.
- Gamdom – ohne Schweizer Bewilligung.
- Bruce Bet – ohne Schweizer Bewilligung.
Diese Liste ändert nichts daran, dass in der Schweiz nur die zwei genannten Veranstalter Sportwetten anbieten dürfen. Die BGS-Strafnorm ist deutlich: Wer ohne Schweizer Bewilligung Sportwetten veranstaltet, macht sich strafbar – bis zu drei Jahre Freiheitsstrafe oder Geldstrafe, bei gewerbsmässigem Handeln bis zu fünf Jahre (Art. 130 BGS). Der Spielende wird nicht bestraft, aber Einsätze und Gewinne können in einem Verfahren gegen den Anbieter eingezogen werden.
Wer einen dieser ausländischen Anbieter nutzt, muss zudem die ausländischen Gewinne versteuern. Die kantonale Praxis dazu ist nicht einheitlich; im Kanton Thurgau etwa werden Gewinne aus ausländischen Grossspielen unabhängig von der Höhe als steuerbares Einkommen behandelt.
Die Regeln hinter dem Angebot
Die Schweiz reguliert Sportwetten als Grossspiel und stellt sie unter das Geldspielgesetz (BGS, SR 935.51). Aufsichtsbehörde ist die Gespa, nicht die Eidgenössische Spielbankenkommission, die nur Spielbanken beaufsichtigt. Die Bewilligung für ein Grossspiel umfasst eine Veranstalterbewilligung und eine Spielbewilligung pro Spiel (Art. 21–25 BGS) und gilt nur in der Schweiz (Art. 4 BGS).
Was gewettet werden darf, regelt die Gespa-Liste der bewilligten Sportarten, Wettbewerbe und Wettarten (Stand 10.09.2026). Wetten auf Wetter, Politik oder Fernsehshows sind ausgeschlossen. Qualifikationsrunden sind nur wetbar, wenn sie auf der Liste stehen; Frauenwettbewerbe ebenso. Rangwetten sind nur erlaubt, wenn die Rangierung über die Teilnahme an einem internationalen Wettbewerb oder das Podium entscheidet. Trainingsläufe sind ausgeschlossen. Eckball- und Kartenmärkte sowie ein Esports-Bereich erscheinen auf der aktuellen Liste nicht. Veranstaltungen, an denen überwiegend Minderjährige teilnehmen, sind vom Wetten ausgeschlossen (Art. 25 Abs. 2 BGS).
Livewetten sind erlaubt, Prematch und Live, soweit der Veranstalter eine entsprechende Bewilligung hat. Das BGS enthält keine statutarische Beschränkung auf bestimmte Live-Märkte. Virtuelle Sportarten sind nicht abschliessend geregelt; Esports ist nicht auf der Gespa-Liste. Einsatzlimiten sind Veranstaltersache: Bei Sporttip liegt der Mindesteinsatz für Einzel- und Kombinationswetten bei CHF 1, der Höchsteinsatz bei CHF 1’000 pro Einzel- oder Kombinationswette und bei CHF 10’000 pro Systemwette.
Wer mitmachen darf
Sportwetten stehen nur Volljährigen offen. Wer als Wettkämpfer an einem Ereignis teilnimmt, darf auf dieses Ereignis nicht wetten – eine Selbstwett-Regel, die Sporttip in den Spielregeln ausdrücklich nennt. Pro Person ist ein Konto zugelassen; die Identität wird bei der Registrierung überprüft, der Ausweis hochgeladen und die Adresse gegen Datenbanken abgeglichen. Eine Spielsperre schliesst die Registrierung aus.
Die Veranstalter sind verpflichtet, mindestens eine Höchstwertgrenze für täglichen, wöchentlichen oder monatlichen Einsatz oder Verlust anzubieten (Art. 87 VGS). Bei Swisslos heisst das: Verlustlimiten für 1, 7 und 30 Tage mit einer Oberlimite von CHF 9’999 (für unter 21-Jährige CHF 1’000). Eine Senkung der Limite gilt sofort; eine Erhöhung erst nach 72 Stunden – das ist eine eigene, strengere Frist als die im Gesetz vorgesehenen 24 Stunden. Zusätzlich kann eine freiwillige Einzahlungslimite für jeweils 30 Tage gesetzt werden.
Eine staatliche Einzahlungsobergrenze kennt die Schweiz nicht. Wer ein Limit möchte, setzt es selbst – und kann es nur nach Ablauf der jeweiligen Schutzfrist wieder erhöhen.
Wer nicht mehr mitmachen darf
Die Spielsperre (Art. 80–82 BGS) hat zwei Formen. Wer sich selbst sperrt, kann sich für 1 bis 180 Tage produktbezogen ausschliessen – etwa nur von Sportwetten, nicht von Losen – und die Sperre wird nicht vor Fristablauf aufgehoben. Eine unbefristete Spielsperre wird im schweizweiten Register eingetragen; sie gilt auch für Casinos einschliesslich Online-Casinos und im Fürstentum Liechtenstein. Wer fremdverschuldet oder suchtgefährdet gesperrt wird, kann die Sperre frühestens nach drei Monaten mit Hilfe einer Fachstelle aufheben lassen.
Eine Selbstausschlusspause von bis zu sechs Monaten muss jeder Veranstalter anbieten (Art. 89 VGS). Wer gesperrt oder minderjährig ist, hat keinen Anspruch auf die Rückzahlung von Einsätzen oder Gewinnen (Art. 45 BGS). Das ist hart, aber es ist die Logik des Spielerschutzes.
Werbung und Boni
Werbung für Glücksspiel darf nicht aufdringlich oder irreführend sein und sich nicht an Minderjährige oder gesperrte Personen richten (Art. 74 BGS). Werbung für in der Schweiz nicht bewilligtes Glücksspiel ist verboten und kann mit Busse bis zu CHF 500’000 bestraft werden (Art. 74 Abs. 3 und Art. 131 BGS). Gratisspiele und Gratisspielguthaben brauchen die vorgängige Zustimmung der Gespa (Art. 75 Abs. 2 BGS); 2025 erteilte die Gespa 24 solcher Bewilligungen an Loterie Romande und 8 an Swisslos. Bonusbeträge und -bedingungen kommen ausschliesslich aus den Spielregeln des jeweiligen Veranstalters.
Wie Gewinne besteuert werden
Gewinne aus Schweizer Grossspielen sind bis zum Steuerfreibetrag pro Einzelgewinn einkommenssteuerfrei. Der Bundessteuerfreibetrag beträgt ab 1.1.2026 CHF 1’071’000 (2025: CHF 1’070’400); der kantonale Freibetrag ist unterschiedlich, weshalb die kantonale Steuerverwaltung befragt werden muss. Über dem Freibetrag behält der Veranstalter 35 % Verrechnungssteuer ein, die bei der Steuererklärung zurückgefordert werden kann. Eine Wettsteuer auf den Einsatz kennt die Schweiz nicht. Für die ausländischen Anbieter gilt: Gewinne unterliegen keiner Schweizer Verrechnungssteuer, fallen aber je nach Kanton anders in die Einkommenssteuer – im Kanton Thurgau etwa unabhängig von der Höhe.
Verantwortungsvolles Spielen: Die Mechanik, die schützt
Die Mechanik, die beim verantwortungsvollen Spielen schützt, ist nicht schwer zu verstehen, wird aber im Livetempo gern übersehen. Drei Ebenen greifen ineinander.
Verlustlimiten setzt der Spielende selbst, nicht der Staat. Bei Sporttip sind das Grenzen für 1, 7 und 30 Tage mit einer Oberlimite von CHF 9’999 (CHF 1’000 für unter 21-Jährige). Eine Senkung greift sofort, eine Erhöhung erst nach 72 Stunden – das ist eine Schutzfrist, die verhindert, dass eine heisse Phase direkt zur Erhöhung führt. Wer bei Livewetten mehrere Wetten kurz nacheinander platziert, sieht die Limite in Echtzeit mitzählen: Der Wettschein geht erst durch, wenn das verbleibende Tageslimit nicht überschritten wird.
Pausen unterbrechen das Spieltempo. Die Spielsperre ist eine harte Pause; die Selbstausschlusspause von bis zu sechs Monaten ist eine längere. Wer im Livetempo merkt, dass die Wetten schneller kommen als geplant, kann die nächste Wette ablehnen und das Konto für eine kürzere Frist stilllegen. Bei Livewetten ist die Versuchung, eine Verlustwette direkt durch eine höhere zu ersetzen, besonders gross – Pausen sind die einfachste Gegenmassnahme.
Sperren tragen weiter. Eine Spielsperre für 1 bis 180 Tage sperrt produktbezogen oder vollständig; eine unbefristete Spielsperre wird im schweizweiten Register eingetragen und gilt auch für Casinos und das Fürstentum Liechtenstein. Eine Aufhebung der Sperre erfolgt nicht vor Fristablauf. Externe und unbefristete Sperren werden mit einer Fachstelle ausgesprochen und frühestens nach drei Monaten überprüft.
Die Gespa hat 2025 an Verkaufsstellen 200 Testkäufe durchgeführt, und in 47,5 % der Fälle wurde an Minderjährige verkauft. Das ist die Realität der Spielsuchtprävention im Kassenumfeld – kein Anlass, Livewetten als harmlos darzustellen.
Die Mechanik hilft, wenn sie genutzt wird. Wer kein Limit setzt, hat keins; wer keine Pause einlegt, legt keine ein; wer sich nicht sperrt, hat keine Sperre. Die Veranstalter bieten diese Werkzeuge an, anwenden müssen sie die Spielenden selbst.
Die Anbieter im Detail: Was Swisslos Sporttip und Loterie Romande Jouez Sport leisten
Die zwei bewilligten Veranstalter sind kein Duell, sondern zwei regionale Angebote mit unterschiedlicher Reichweite. Wer in der Deutschschweiz oder in Liechtenstein wohnt, spielt bei Swisslos; wer in der Romandie wohnt, bei Loterie Romande. Für die meisten Spielenden fällt die Wahl mit dem Wohnort.
Swisslos Sporttip – der Anbieter für die Deutschschweiz, das Tessin und Liechtenstein
Swisslos ist eine Genossenschaft mit Sitz in Basel und betreibt Sportwetten unter dem Markennamen Sporttip. Die Bewilligung beruht auf der Interkantonalen Vereinbarung über die gemeinsame Durchführung von Geldspielen vom 20. Mai 2019 (IKV 2020). Das Spielgebiet umfasst 19 Kantone plus das Tessin und Liechtenstein – wer dort wohnt, kann sich online registrieren.
Livewetten bei Sporttip. Livewetten sind online verfügbar, vor Spielbeginn (Prematch) und während des Spiels (live). Cash-Out gibt es für Einzel-, Kombinations- und Langzeitwetten, prematch und live, aber nur online und nur als vollständiges Cash-Out; eine Teilauszahlung gibt es nicht. Der Cash-Out-Betrag ist tiefer als der mögliche Gewinn, hängt vom Spielstand ab und kann von Swisslos jederzeit geändert werden; Swisslos garantiert Cash-Out nicht für jeden Markt.
Einsätze. Mindesteinsatz CHF 1 pro Einzel- oder Kombinationswette, Höchsteinsatz CHF 1’000 pro Einzel- oder Kombinationswette und CHF 10’000 pro Systemwette. Swisslos kann die Limiten jederzeit ohne Angabe von Gründen ändern; eine Wette über der Limite wird nicht angenommen.
Quotenboosts und Kombiboost. Quotenboosts gelten nur online für Prematch-Einzelwetten mit einer Voraussage, Profitboosts erhöhen den möglichen Nettogewinn eines Sportereignisses um einen angegebenen Prozentsatz; beide sind pro Person nur einmal nutzbar und in Einsatz und Erhöhung limitiert. Bei einem Cash-Out verfällt der Boost. Der Kombiboost gilt nur online (Prematch, Live, Systemwetten) und verlangt mindestens vier Voraussagen mit einer Mindestquote von je 1.50; der Bonus auf den Nettogewinn beträgt 5 % bei vier, 20 % bei sieben, 40 % bei zehn und 100 % bei fünfzehn Voraussagen.
Abhängige Ereignisse. Bei Sporttip werden voneinander abhängige Ereignisse derselben Sportveranstaltung nur über die Bet-Builder-Funktion kombiniert; nimmt Swisslos irrtümlich eine solche Kombination ohne diese Funktion an, kann sie die ganze Kombinationswette für ungültig erklären und den Einsatz zurückerstatten.
Auszahlung. Der Gewinn ergibt sich aus Einsatz × Quote (bei Kombinationen × Gesamtquote, dem Produkt der Einzelquoten) und wird zuerst auf zwei Nachkommastellen aufgerundet, dann auf 5 Rappen genau abgerundet. Gewinne bis CHF 1’000 pro Spielbestätigungsquittung schreibt Swisslos automatisch dem Wallet gut; Gewinne über CHF 1’000 werden bei bekannter Zahlungsverbindung innert 3 Arbeitstagen auf ein Schweizer oder Liechtensteiner Bank- oder Postkonto überwiesen.
Auszahlungsfristen für das Wallet. Swisslos zahlt Spielguthaben innerhalb von 365 Tagen zweimal gratis auf ein Schweizer oder Liechtensteiner Bank- oder Postkonto aus; ab der dritten Auszahlung kann eine Kommission von 3 % belastet werden. Die Überweisung erfolgt innert 5 bis 10 Arbeitstagen. Gratisspielguthaben aus Promotionen ist nicht auszahlbar.
Verkaufstelle und App. Wetten lassen sich online oder über die Sporttip App für iOS und Android abgeben; in der App zusammengestellte Wetten können auch per QR-Code an einer Sporttip Verkaufsstelle gespielt werden.
Wertung nach Ereignisende. Wird ein Wettereignis abgesagt und nicht innert 48 Stunden nach dem ursprünglichen Beginn (oder im Rahmen eines Turniers) nachgeholt, ist die Wette ungültig: Einzelwetten werden zurückbezahlt, in Kombinationswetten erhält die Voraussage Quote 1.00. Gewinne, die nicht innert 26 Wochen nach der öffentlichen Bekanntmachung der Wettauswertung geltend gemacht werden, verfallen zugunsten des Zwecks der Swisslos.
Gewinnverfall. Eine Einsprache bei verweigerter Auszahlung ist innert 10 Tagen per eingeschriebenem Brief zu erheben. Die Frist ist kurz und die Form streng – wer einen Konfliktfall sieht, muss sofort handeln.
Verdienst: Sporttip ist das breitere Angebot für ein grosses Spielgebiet und der einzige Anbieter in der Deutschschweiz mit Livewetten und Cash-Out in einer einzigen Plattform. Wer hier spielt, akzeptiert dafür die vom BGS gesetzten Grenzen – geschlossene Liste der Sportarten und Märkte, keine Esports, keine Wetten auf Wetter oder Politik.
Loterie Romande Jouez Sport – der Anbieter für die Westschweiz
Loterie Romande ist für die sechs Westschweizer Kantone Freiburg, Waadt, Wallis, Neuenburg, Genf und Jura zuständig. Sie betreibt Sportwetten unter dem Markennamen Jouez Sport. Die Bewilligung folgt demselben BGS-Regime wie Swisslos, und der Vertrieb läuft über rund 2’350 Verkaufsstellen in der Westschweiz.
Online und Verkaufsstelle. Jouez Sport ist an Verkaufsstellen der Loterie Romande mit Wetterfassungsterminal zugänglich. Online-Registrierung ist nur für Personen mit Wohnsitz im Spielgebiet möglich. An Verkaufsstellen gibt es nur Prematch-Wetten; Livewetten bietet die Internet-Spielplattform der Loterie Romande.
Teilnahme. Teilnehmen dürfen nur natürliche Personen ab 18 Jahren. Wer als Wettkämpfer an einem Ereignis teilnimmt, darf auf dieses Ereignis nicht wetten. Pro Person ist ein Konto zugelassen.
Verdienst: Wer in der Romandie wohnt, hat keine Wahlmöglichkeit zwischen Schweizer Veranstaltern, weil die Spielgebiete sich nicht überschneiden. An den Verkaufsstellen ist die Atmosphäre eine andere als online, das Angebot ist auf Prematch-Wetten beschränkt. Für Livewetten muss die Online-Plattform genutzt werden, was die Trennung zwischen Verkaufstelle und Live-Angebot gegenüber Sporttip betont.
Ausländische Marken ohne Schweizer Bewilligung
Die acht ausländischen Anbieter – Sportuna, PowBet, 1Bet, BillyBets, GG.BET, Betclic, Gamdom und Bruce Bet – werden im Folgenden summarisch behandelt, weil die Bewilligungslage in der Schweiz identisch ist.
Was sie sind. Jeweils internationale Wettplattformen mit Lizenzen aus anderen Rechtsräumen. Für Schweizer Spielende gilt: Die ausländische Lizenz hat in der Schweiz keine Kraft (Art. 4 BGS). Wer dort spielt, hat keinen Zugang zum Schweizer Spielsperrenregister, keine Schweizer Anlaufstelle bei Streit, keine Anwendung der Schweizer Spielregeln (kein Schutz bei Annahmeregeln, kein Zugang zur Schweizer Spielsperre, keine BGS-Spielsuchtprävention).
Was es kostet. Organisieren ohne Schweizer Bewilligung ist eine Straftat nach BGS – bis zu drei Jahre Freiheitsstrafe oder Geldstrafe, gewerbsmässig bis zu fünf Jahre (Art. 130 BGS). Der Spielende wird nicht bestraft, aber Einsätze und Gewinne können in einem Verfahren gegen den Anbieter eingezogen werden. Ausländische Gewinne fallen je nach Kanton in die Einkommenssteuer; im Kanton Thurgau etwa unabhängig von der Höhe.
Was die Gespa tut. Die Gespa führt eine Sperrliste von Domain-Namen, die Schweizer Telekommunikationsanbieter via DNS blockieren. Die Liste wird regelmässig ergänzt; blockierte Domains tauchen unter neuen Namen wieder auf. Eine Anmeldung bei einem ausländischen Anbieter über ein anderes Netz (VPN, ausländisches Mobilfunknetz) bleibt möglich, löst aber keine Schweizer Schutzmechanismen aus.
Verdienst: Wer bei einem dieser Anbieter spielt, nimmt am Schweizer Schutzsystem nicht teil. Die ausländische Lizenz ist im Schweizer Rechtsraum wertlos, der Schweizer Rechtsweg nicht eröffnet. Das ist kein Verdikt über das Spielen im Ausland als solches; es ist die Beschreibung dessen, was für Schweizer Spielende nicht gilt.
Häufige Fragen zu Livewetten in der Schweiz
Wie funktionieren Livewetten, und wie ändern sich die Quoten während des Spiels?
Eine Livewette wird nach dem offiziellen Beginn eines Sportereignisses platziert. Die Quote passt sich laufend an den Spielstand, personelle Wechsel und die verbleibende Spielzeit an; jede Quotenbewegung ist Ausdruck einer veränderten Wahrscheinlichkeitsschätzung zuzüglich der Marge, die der Veranstalter eingepreist hat. Wer die Quotenbewegung lesen kann, sieht, was der Markt gerade für wahrscheinlich hält – nicht, was tatsächlich passieren wird.
Sind Livewetten in der Schweiz erlaubt?
Ja, soweit Sportart, Wettbewerb und Wettart auf der Gespa-Liste stehen und der Veranstalter eine Bewilligung hat. In der Schweiz bieten nur Swisslos mit Sporttip und Loterie Romande mit Jouez Sport Sportwetten an; eine ausländische Lizenz hat in der Schweiz keine Rechtskraft.
Was passiert, wenn die Wette nach dem tatsächlichen Eintreffen des Wettausgangs platziert wird?
Dann wird sie mit Quote 1.00 gewertet: Der Einsatz wird zurückerstattet, ein Gewinn entsteht nicht. Bei Sporttip kann dieselbe Regelung auch in spielentscheidenden Situationen greifen, etwa Elfmeter, Rote Karte oder Schiedsrichterentscheid. Damit soll verhindert werden, dass gewettet wird, was bereits eingetreten ist.
Gibt es bei Jouez Sport Livewetten auch an der Verkaufsstelle?
Nein. An Verkaufsstellen der Loterie Romande sind nur Prematch-Wetten erhältlich; Livewetten bietet ausschliesslich die Internet-Spielplattform. Wer in der Romandie live wetten will, muss den Wettschein online oder über die Plattform zusammenstellen und abschicken, nicht an der Verkaufsstelle.
Gehören Verlängerung und Penaltyschiessen zur regulären Spielzeit?
Bei Sporttip umfasst die reguläre Spielzeit die reguläre Spieldauer (Fussball: 90 Minuten) plus Nachspielzeit. Verlängerung und Penaltyschiessen zählen nur, wenn das Wettprogramm darauf hinweist oder sie Gegenstand der Wette sind. Wer auf das Ende nach 90 Minuten plus Nachspielzeit wettet, schliesst Verlängerung und Elfmeterschiessen bewusst aus.
Wie wirken sich Verlustlimiten aus, wenn mehrere Livewetten kurz nacheinander platziert werden?
Bei Swisslos zählt jede platzierte Wette gegen die gesetzte Verlustlimite (1, 7 oder 30 Tage). Eine Senkung gilt sofort, eine Erhöhung erst nach 72 Stunden. Eine Wette, die das verbleibende Tageslimit überschreitet, wird nicht angenommen; im Livetempo führt das zu klaren Stopppunkten und verhindert, dass Verluste aus Verlustwetten direkt mit höheren Einsätzen ausgeglichen werden.
Wettarten – livewettench
Inhalt erstellt vom Team «livewettench»
